Aller Anfang ist schwer

Wie so oft im Leben kam bei mir so einiges zusammen. Wenn ich so zurück denke, handelte es sich bei mir um eine unglückliche Verkettung von noch unglücklicheren Umständen. Ich war damals erst Anfang fünfzig – stand also noch im Saft. Nach meinem schweren Motorradunfall war ich zwar wieder einigermaßen genesen, allerdings blieb mein verdammtes Knie für immer steif. Aufgrund chronischer Schmerzen im Knie musste ich von nun an in regelmäßigen Abständen starke Schmerzmittel nehmen. Als meine x-te Reha beendet war, bekam ich zunächst einen Alibi-Schreibtischjob bder richtige wegei der Polizei, denn der Außendienst hat sich für jemanden in meiner Verfassung ein für alle Mal erledigt. Von nun an würde ich an meinem viel zu großen Schreibtisch in meinem kleinen miefigen Büro sitzen und Akten sortieren. Das war so etwas wie mein Gnadenbrot, nach fast dreißig Jahren Streife. Wahrscheinlich hätte ich dankbar sein sollen, fühlte mich jedoch einfach nur gedemütigt.

Während sich die Akten in meinem Büro bis unter die Decke stapelten und ich mich mit meinen immer stärker werdenden Depressionen plagte, begann ich zu trinken. Erst trank ich nur hin und wieder, dann regelmäßig – und zum Schluss kam ich erst gar nicht mehr zur Arbeit. Ich zog es vor, mich in Automatencasinos herumzutreiben und mich volllaufen zu lassen. Dass sie mir mit Kündigung drohten, war mir egal. Dass ich in diesen durchzockten Tagen und Nächten überwiegend verlor, war mir ebenfalls egal. Oft fand ich mich mit brennenden Augen und tosenden Schädel vor den Casinos wieder – ich war nicht mehr ich selbst. Schnell verlor ich alle sozialen Kontakte, selbst meine liebe Frau drohte mir mit der Trennung. Wenn ich nicht umgehend das Spielen aufgeben und mir eine Therapie suchen würde, ließe sie sich von mir scheiden. Meine erste Therapie brach ich nach vier Wochen ab – als meine Frau daraufhin kurzerhand die Koffer packte, wusste ich, dass es ihr Ernst war. Ich ergriff meine letzte Chance und nach qualvollen drei Monaten schaffte ich den Ausstieg.

Ich habe seit diesem Tag nicht ein einziges Glas Alkohol mehr getrunken. Ich konnte sogar die Tabletten auf ein Minimum reduzieren – dank einer Schmerztherapie mit Akupunktur. Als meine Frau nach einem halben Jahr erkannte, dass es mir Ernst mit meinem Ausstieg war, kam auch sie letztendlich zu mir zurück. Ich habe nie wieder einen Fuß in ein Automatencasino gesetzt, auch von Poker und dergleichen halt ich mich lieber fern. Hin und wieder gönne ich es mir jedoch, einen Lottoschein zu spielen – aber wirklich nur ab und zu. Die Gefahr von Lottosucht ist im Vergleich zu dem, was ich hinter mir habe, verschwindend gering. Meiner Meinung nach hat es schon seinen Grund, dass ein Viertel der Deutschen Samstags lieber Lotto spielt und nicht etwa in die Spielhallen geht. Ich werde es ab jetzt so wie alle machen.

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